Vernetzung ohne Männer - In der Schweiz gibt es Zirkel, die nur Frauen offenstehen. Warum? Wir haben bei zwei Netzwerken nachgefragt.
Rotary, Kiwanis, Lions – mindestens einen dieser Service-Clubs kennen die meisten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts vernetzten sich dort Männer aus Politik oder Wirtschaft.
Ihre weiblichen Gegenstücke dürften weniger bekannt sein. Zur gleichen Zeit entstanden allerdings auch exklusive Frauen-Clubs, beispielsweise Zonta.
Der Zugang zu Service-Clubs ist beschränkt. Meist werden nur Personen aufgenommen, die von Mitgliedern vorgeschlagen wurden. In diesem exklusiven Kreis werden persönliche und berufliche Beziehungen gepflegt. Daraus können sich Vorteile ergeben, zum Beispiel bei Stellenbesetzungen. Zudem engagieren sich Service-Clubs für die Gesellschaft. Meist sammeln und spenden sie Geld für Projekte, die beispielsweise benachteiligte Kinder oder Menschen in Kriegsgebieten unterstützen. Während die ehemaligen Männerzirkel heute meist offen sind für alle, bleiben die meisten Frauen in ihren Netzwerken noch immer unter sich.
«Vor 20 Jahren hätte ich gewettet, dass es heute keine Frauennetzwerke mehr braucht», sagt Bernadette Koch bei einem Anlass des «Zonta Clubs Luzern-Landschaft», zu dem rund 40 Frauen gehören.
Heute sehe sie, dass sich wenig verändert habe. «Es gibt viele Frauen, die aufgrund der Teilzeittätigkeit im Beruf nicht wirklich ernst genommen werden. Sie müssen viel Mut beweisen, um ihre Karrieren weiterzubringen.»
«Deshalb braucht es Zonta auch heute», sagt Bernadette Koch mit Nachdruck. Die Frauen im Netzwerk würden sich gegenseitig unterstützen – «und plötzlich traut sich eine doch, in das Büro ihres Chefs zu gehen und zu sagen: ‹Jetzt bin ich dran!›.»
Zudem sammelt der «Zonta Club Luzern-Landschaft» Spendengelder, die grösstenteils Frauen und Kindern zugutekommen. Seit der Gründung 1991 seien rund eine halbe Million Franken zusammengekommen. Ein Teil davon ging beispielsweise an das Frauenhaus in der Stadt Luzern.
«Es ist nicht so, dass wir Männer bewusst ausschliessen wollen», sagt Anduena Berisha. Sie ist die Co-Präsidentin des Wirtschaftsforums für Frauen Zentralschweiz (WIF). Wie die Frauen bei Zonta betont auch sie, dass sie den Austausch mit Männern schätzen würde.
Anders als Zonta ist das Wirtschaftsforum kein klassischer Service-Club. Der Aspekt des karitativen Engagements durch Spenden fällt bei diesem Netzwerk weg. Das WIF wurde 1981 gegründet mit dem Ziel, Frauen in der Wirtschaft zu vernetzen. Die Frauen müssen berufstätig sein, die Pensionierung bedeutet das Ende der Mitgliedschaft. Aktuell zählt das WIF rund 160 Mitglieder. Sie sind Bankerinnen, Anwältinnen, Lehrerinnen und arbeiten in der Kommunikation oder sind selbstständig. Die Frauen treffen sich und tauschen sich bei monatlichen Veranstaltungen wie Mittagessen oder Referaten zu wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Themen aus.
«Frauen sind jedoch mit anderen Themen konfrontiert als Männer, gerade in der Wirtschaftswelt: Kinderbetreuung, schlaflose Nächte, am nächsten Tag wieder Top-Leistungen abliefern im Job beispielsweise.» Kurz: Es geht um die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere.
Zwar würden Männer in der Kinderbetreuung heute mehr Verantwortung übernehmen. «Aber es sind noch immer deutlich mehr Frauen, die in Teilzeit arbeiten.»
Ohne Männer entstehe ein geschützter Raum, in dem der Austausch zu solchen Themen leichter falle. Viele teilen dieselbe Erfahrung und können sich Ratschläge geben. Zudem bringe das Netzwerk Sichtbarkeit für die Frauen, ihre Fähigkeiten und ihre Arbeit.
«Das WIF braucht es noch so lange, bis es im beruflichen Umfeld keinen Unterschied mehr macht, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist», sagt Anduena Berisha abschliessend. Erreicht sei dieser Punkt noch nicht.
Weiterlesen - ein Beitrag von Maria Schmidlin erschienen am 13.07.2026 im SRF
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